Was kostet soziale Arbeit – und was kostet es, wenn sie fehlt? Diese Frage wird für Kommunen immer wichtiger. Denn viele soziale Angebote erscheinen im Haushalt zunächst als Ausgaben. Ihr eigentlicher Nutzen zeigt sich jedoch oft erst später: wenn junge Menschen einen Schulabschluss schaffen, Familien stabilisiert werden oder teure Folgehilfen vermieden werden. Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote müssen daher nicht nur fachlich überzeugen, sondern zunehmend auch ihren wirtschaftlichen Nutzen sichtbar machen. Genau hier setzen Social-Return-on-Investment-Analysen an.
SROI-Analysen zeigen, welche finanziellen Effekte soziale Maßnahmen für die öffentliche Hand entfalten können. Sie machen sichtbar, wo durch Prävention, frühe Unterstützung oder gelingende Bildungs- und Berufswege spätere Kosten vermieden werden – etwa bei Sozialleistungen, Unterbringungskosten oder intensiveren Hilfesystemen. Für Kommunen entsteht dadurch eine belastbare Grundlage, um soziale Angebote nicht nur als Ausgabenposten zu betrachten, sondern als Investitionen mit messbarem gesellschaftlichem und finanziellem Mehrwert.
Gerade in Zeiten knapper Haushalte ist das entscheidend: Wer soziale Investitionen politisch begründen muss, braucht nachvollziehbare und belastbare Argumente. Der Social Return on Investment hilft dabei, Wirkung in eine Sprache zu übersetzen, die in Haushaltsberatungen, Ausschüssen und strategischen Steuerungsprozessen verstanden wird.
Was ist Social Return on Investment?
Mit SROI-Analysen können wir den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen sozialer Maßnahmen systematisch erfassen und den eingesetzten Mitteln gegenüberstellen. Die Besonderheit beim Social Return on Investment ist, dass neben direkten Einnahmen auch eingesparte öffentliche Ausgaben in der Bewertung berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise:
- nicht notwendig gewordene Sozialleistungen
- reduzierte Betreuungskosten
- geringere Ausgaben für Hilfesysteme
- langfristige Beschäftigungseffekte
- zusätzliche Steuern und Sozialabgaben
Dadurch wird sichtbar, welchen Beitrag soziale Projekte zur gesellschaftlichen Wertschöpfung leisten und es entsteht eine fundierte Grundlage für wirkungsorientierte Investitionsentscheidungen.
Drei Praxisbeispiele mit messbarem Nutzen
Unsere aktuelle Untersuchung im Auftrag der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva) zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial soziale Investitionen entfalten können. Analysiert wurden drei unterschiedliche Angebote für benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die Ergebnisse unserer Analyse zeigen, dass bereits unter sehr konservativen Annahmen erhebliche Einsparungen für die öffentliche Hand entstehen:
- Das Haus der Lebenschance unterstützt junge Menschen ohne Schulabschluss beim Erwerb des Hauptschulabschlusses und beim Einstieg in Ausbildung oder Arbeit.
Unsere Analyse zeigt, dass sich die Investitionen langfristig auszahlen. Bereits wenige erfolgreiche Bildungsbiografien reichen aus, um erhebliche kommunale Folgekosten zu vermeiden. - Cambio begleitet junge Erwachsene mit erschwerten Startbedingungen beim Übergang in Ausbildung.
In der realistischen Berechnungsvariante wird der Breakeven-Punkt bereits nach vier Jahren erreicht. Nach zwanzig Jahren übersteigen die eingesparten Kosten die ursprüngliche Investition um ein Vielfaches. - Das Beratungsangebot Aufwind richtet sich an Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil.
Die Ergebnisse zeigen besonders eindrucksvoll die wirtschaftliche Bedeutung früher Hilfen. Werden stationäre Unterbringungen von Kindern vermieden, entstehen erhebliche Einsparungen für die öffentliche Hand. Die Investition kann sich bereits nach wenigen Monaten amortisieren.
Einfache Methodik, starke Argumente
Bei dieser SROI-Analyse sind wir bewusst von möglichst wenigen Annahmen ausgegangen: Wir haben ausschließlich direkt monetarisierbare Alternativkosten einbezogen – vermiedene Bürgergeldleistungen und vermiedene Unterbringungskosten. Weitere plausible Effekte wie regionale Wertschöpfung, vermiedene Krankheits- oder Kriminalitätskosten sowie Steuerrückflüsse wurden in der Analyse nicht berücksichtigt. Die ausgewiesenen SROI-Werte sind also konservative Schätzungen und gerade deshalb besonders überzeugend.
In politischen Entscheidungsprozessen sind Argumente dann wirksam, wenn sie nicht angreifbar sind. Wer zeigen kann, dass eine Maßnahme selbst unter minimalen Annahmen rentabel ist, argumentiert auf solidem Grund.
Was bedeutet das für Kommunen?
Kommunen stehen vor der Herausforderung, steigende soziale Bedarfe mit begrenzten finanziellen Ressourcen zu bewältigen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutlich: Prävention, Bildung und frühzeitige Unterstützung können erhebliche gesellschaftliche und finanzielle Mehrwerte schaffen. Gleichzeitig profitieren die Betroffenen durch bessere Bildungs-, Ausbildungs- und Lebensperspektiven.
Der Social Return on Investment macht sichtbar, dass Investitionen in soziale Arbeit langfristig Haushalte entlasten können und hilft dabei, diese Wirkung transparent darzustellen. Für Kommunen, Wohlfahrtsverbände und politische Entscheidungsträger entsteht damit eine fundierte Grundlage, um soziale Investitionen nicht nur nach ihren Kosten, sondern nach ihrem tatsächlichen Nutzen zu bewerten.
Prävention als kommunale Investitionsstrategie
Was unsere Analyse für Stuttgart zeigt, gilt strukturell für viele Angebote der Kinder- und Jugendhilfe: Kurzfristige Haushaltsentlastungen durch Kürzungen sind trügerisch – sie verschieben Kosten in die Zukunft, wo sie deutlich höher ausfallen. Kommunen, die Prävention als strategische Renditequelle begreifen, handeln ökonomisch vorausschauend. Die Analyse des Social Return on Investment kann dazu beitragen Prävention und soziale Unterstützung als nachhaltige Zukunftsinvestitionen zu verstehen.
Wir freuen uns, die eva Stuttgart bei diesem Projekt begleitet zu haben. Den vollständigen Bericht sowie eine Kurzfassung können Sie hier herunterladen.
Sie möchten wissen, welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen Ihre Projekte, Maßnahmen oder Förderprogramme erzielen?
IEGUS unterstützt Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Ministerien und Sozialunternehmen bei der Durchführung von Social-Return-on-Investment-Analysen (SROI), Wirkungsanalysen und Evaluationen.
Sprechen Sie uns an – wir zeigen Ihnen, wie sich gesellschaftliche Wirkung sichtbar und belastbar quantifizieren lässt.
Ihre Ansprechpartner*innen
Bild: AdobeStock/Dusan Petkovic

